Vom 20.-26.10.2022 gedachte das Blaue Haus in Breisach mit verschiedenen Veranstaltungen der Deportation der mehr als 6500 badischen, pfälzischen und saarländischen Jüdinnen und Juden in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich vor 82 Jahren.

Eine dieser Veranstaltungen war die Begegnung mit Robert Geismar aus London, dem Nachfahren einer jüdischen Familie Breisachs, welcher 1950 in den USA geboren wurde. Robert gehört zur zweiten Generation von Holocaust-Überlebenden: sein Vater Joseph konnte Nazi-Deutschland im letzten Moment verlassen, dessen Eltern Robert und Klothilde wurden nach Theresienstadt deportiert und fanden dort den Tod.

Die beiden zehnten Klassen der Julius-Leber-Schule Breisach besuchten am 21.10.2022 das Blaue Haus, um Robert Geismar kennenzulernen und sich anhand seiner Lebensgeschichte mit den geschichtlichen Ereignissen auseinanderzusetzen. Das Gespräch mit einem Muttersprachler und Valeska Wilczek vom Blauen Haus in der Fremdsprache Englisch war eine gute Übung. Dieser Umstand minderte die Intensität der emotionalen Teilhabe keinesfalls. Im Gegenteil, die Schüler*innen stellten interessierte und einfühlsame Fragen. Sie versuchten nachzuvollziehen, welche Auswirkungen die Shoa auf Roberts Leben hatte, zumal sein Vater nur höchst ungern über das Thema sprach. Umso wichtiger ist für ihn die Forschungsarbeit des Blauen Hauses, die ihm neue Zugänge zu seiner Herkunft ermöglicht. Als Dank für seine Offenheit schenkten die Schüler*innen ihm eine im AES-Unterricht selbstgebackene Linzer Torte.

Außerdem besuchten die Schüler*innen einen Teil der Ausstellung des Blauen Hauses sowie den alten jüdischen Friedhof, auf dem Robert Geismars Ur-Ur-Großmutter Karolina Geismar begraben liegt. Dort erfuhren sie von Christiane Walesch-Schneller vieles über den Friedhof und Bräuche des Judentums.

„It’s incredibly brave to share this part of history“, war eine der Aussagen, die die Zehntklässler*innen niederschrieben, als sie im Anschluss das Erlebte mit ihren Lehrkräften reflektierten. Ein gelungener Ausflug mit vielen Denkanstößen.